Caylus

Wer wird Hofbaumeister von König Philipp?

Autor: William Attia
Verlag: Ystari Games
Erschienen: Essen 2005
Anzahl Spieler: 2 - 5
Altersgruppe: ab 12 Jahre
Spieldauer: 60 bis 150 Minuten
Auszeichnungen: Sonderpreis "Komplexes Spiel" Spiel des Jahres 2006, 1. Platz Deutscher Spielepreis 2006
Spielregel: Caylus72D.pdf

Caylus Foto: www2.herne.de

Spielidee und Spielziel:

1289 möchte König Philipp der Schöne die Grenzen des Französischen Reiches festigen. In dem schönen Örtchen Caylus soll nun ein Schloss entstehen. Arbeiter und Baumeister reisen an und wollen an der Errichtung des Schlosses beteiligt sein, da ihr Verdienst ihnen zu Wohlstand verhelfen kann. Caylus entwickelt sich immer mehr zu einer Stadt.

Als Spieler schlüpft man in die Rolle eines solchen Baumeisters. Die Spieler haben die Aufgabe, für den König das Schloss zu erbauen. Wenn die Baumeister besonders viel am Schloss bauen, erfreut dies den König und er gewährt ihnen eine Gunst, d.h. er belohnt sie für ihre gute Arbeit. Das Spiel endet mit der Fertigstellung des Schlosses. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten bzw. Prestigepunkte, hat gewonnen und darf sich nun als Hofbaumeister bezeichnen. Die Spieler bauen jedoch nicht alleine, denn sie haben Arbeiter als Gehilfen. Jedem Spieler stehen pro Runde 6 Arbeiter zur Verfügung, die er während des Spiels entsprechend auf der Strasse zum Schloss platzieren muss, damit die Stadt sich weiterentwickelt und am Schloss gebaut werden kann. Das Bauen von Gebäuden oder von Schlossteilen muss von den Spielern mit Rohstoffen und/oder Geld bezahlt werden.


Spielmaterial:

1 Spielplan, 1 Seneschall und 1 Vogt, 30 Münzen, 30 Arbeiter, 100 Häuser in 5 Farben,
35 Markierungsscheiben, 140 Rohstoffe in 5 Farben, 40 Gebäudeplättchen, 1 Spielregel


Caylus - Spielplan Foto: www.ystari.com


Spielprinzip und Spielplan:

Auf dem Spielplan ist eine lange Straße abgebildet, die zum Schloss führt. Nur wenige Gebäude sind bisher entlang der Straße gebaut. Neben dem Schloss ist eine Tafel dargestellt, die den Stand der bisher erreichten Günste bzw. Bevorzugungen der Spieler anzeigt. Sobald also der König einen Spieler für seine gute Arbeit am Schloss oder für den Bau eines bestimmten Gebäudes entlang der Strasse belohnt, wird dies auf der Gunsttafel durch einen Spielstein in der Spielerfarbe entsprechend markiert. Die Spieler können immer zwischen 4 Günsten wählen, wobei sie im gleichen Spielzug eine Gunst nicht mehrmals nutzen können. Es bestehen folgende Gunstmöglichkeiten: Geld bzw. Denar, Rohstoffe zum Bauen der Gebäude, Prestigepunkte bzw. Siegpunkte oder die Bewilligung für den Bau eines besonderen Gebäudes, für das er weniger Rohstoffe oder Denar an die Bank zahlen muss.

Die Spieler haben mehrere Möglichkeiten eine Gunst des Königs zu erlangen. Dies geschieht durch die Benutzung des Turnierplatzes, den Bau diverser Gebäude, durch den Weiterbau am Schloss oder aber durch die Abrechnungen der 3 Schlossbauabschnitte.

Wenn ein Gebäude gebaut wurde, wird es auf eine der freien Straßenfelder gelegt. Die Erklärung der Gebäude ergibt sich fast immer aus deren Abbildung auf dem Plättchen. Zu den Gebäuden gehören Spezialgebäude, die auf den Spielplan gedruckt worden sind und sogenannte feststehende Gebäude, die ebenfalls auf dem Spielplan gedruckt sind. Die Gebäude, die die Spieler bauen können, heißen neutrale Gebäude und dürfen zu einem bestimmten Preis an Rohstoffen oder Geld erbaut werden und auf einem freien Straßenfeld der Reihe nach ausgelegt werden.


Nutzung der ausliegenden Gebäude:
Während die Spieler bauen, kommt es irgendwann zu der entsprechenden Nutzung der Gebäude, die alle eine bestimmte Funktion haben. Zu den Spezialgebäuden (auf dem Spielplan gedruckt) gehört z. B. der „Turnierplatz“. Wenn ein Spieler einen seiner Arbeiter auf diesem Feld platziert hat und es kommt zur Aktivierung, also zur Nutzung dieses Gebäudes, hat er die Möglichkeit zu einem bestimmten Preis eine Gunst bzw. Belohnung des Königs zu erhalten, ohne dass er dafür am Schloss gebaut haben muss. Zu den neutralen Gebäuden gehört u.a. der „Steinbruch“, welcher den für das Bauen wichtigen Rohstoff Stein einbringt. Im Laufe des Spiels wird der Rohstoffabwurf durch entsprechend bessere bzw. teurere Gebäude immer lukrativer. Die feststehenden Gebäude sind auf der Straße auf dem Plan abgebildet und dürfen genauso wie die Spezialgebäude nicht überbaut werden. Hierzu gehört auch der Markt, der es ermöglicht, Rohstoffe zu kaufen. Nach dem Aktivieren bzw. Nutzen der Gebäude kommen die Arbeiter, Spielfiguren der Spieler zurück auf den eigenen Vorrat und können in der nächsten Runde wieder eingesetzt werden.

Brücke:
Außerdem gibt es auf der Strasse eine Brücke, die die Reihenfolge symbolisiert, in der die Spieler in der Einsatzphase ihrer Arbeiter gepasst haben. Dies wird durch Marker in den Spielerfarben gekennzeichnet. Außerdem gibt es eine Leiste, die die aktuelle Spieler-Reihenfolge anzeigt. Dies ist nötig, da die Spieler die Reihenfolge durch bestimmte Gebäude verändern können. Im Schloss müssen die Spieler ihre Spielsteine bzw. Arbeiter in der Reihenfolge platzieren, wie sie die Möglichkeit „Schlossbau“ gewählt haben. Zu guter letzt gibt es rundherum um den Spielplan die Siegpunkteleiste, die den aktuellen Punktestand anzeigt.

Schlossbau:
Pro Einsetzen der Arbeiter besteht für die Spieler die Möglichkeit, am Schloss zu bauen. Es wird in der Reihenfolge am Schloss gebaut, wie die Spieler ihre Spielsteine dort gesetzt haben. Jedes Schlosselement kostet Rohstoffe. Die Spieler können nun der Reihe nach entscheiden, wie viele Elemente sie bauen möchten. Diese Elemente bringen Prestigepunkte und wer die meisten erbaut hat, erhält in dieser Runde eine Gunst des Königs. Auch hier werden die Arbeiter von den Spielern wieder zurück auf den Vorrat genommen. Falls man sich verkalkuliert hat und nicht bauen kann, weil man über zu wenig Rohstoffe verfügt, werden 2 Prestigepunkte abgezogen.

Grundsätzlich gilt, jeder Spieler bzw. Baumeister verfügt über 6 Arbeiter, einige Rohstoffe und etwas Geld. Die Arbeiter können in die Stadt oder in das Schloss platziert werden. In der Stadt werden von den Arbeitern Gebäude gebaut und im Schloss bauen sie Schlossteile.

Mechanismus der Spielfiguren Vogt und Senneschall:
Der Vogt überwacht den Bau und sorgt für die Aktivierung der Gebäude. Die Aktivierung erfolgt immer bis zu dem Feld entlang der Straße, auf dem der Vogt gerade steht. Alle weiteren Gebäude, die vom Schloss aus gesehen hinter dem Vogt liegen, werden in dieser Phase nicht aktiviert. Der Vogt kann durch das Setzen eines Arbeiters auf ein bestimmtes Gebäude von einem Spieler kostenlos versetzt werden oder aber durch Bezahlung. Die Reihenfolge, in der die Spieler den Vogt versetzen können, wird durch die gesetzten Spielsteine auf der „Brücke“ markiert (Reihenfolge des Passens). Der Vogt kann von einem Spieler entlang der Straße entweder drei Felder vor oder zurück gesetzt werden.

Der Senneschall wird automatisch am Ende einer Runde auf ein vom Schloss weiter entferntes Straßenfeld versetzt und symbolisiert den Fortschritt des Spiels. Sobald der Senneschall an bestimmten Punkten entlang der Straße angekommen ist, kommt es zur Schlosswertung. Während des Spiels werden der Reihe nach drei Schlossabschnitte abgerechnet und dies immer dann, wenn der Senneschall auf eines dieser Felder kommt.


Caylus - Gebäudeplättchen (Vor- und Rückseite) Foto: www.ystari.com

Spielvorbereitung:

Die Gebäude werden nach den entsprechenden Farben sortiert und jeder Spieler erhält Spielmarker, Häuser und Arbeiter. Außerdem werden die Spielsteine auf dem Spielplan platziert. Jeder Spieler platziert seine Spielscheiben bzw. Marker auf die Brücke, auf die Anzeige für die Spielerreihenfolge und vier auf die Anzeige für die Gunst des Königs. Eine weitere Scheibe kommt natürlich auf die 0 der Siegpunkteleiste. Der Startspieler wird bestimmt und die Scheiben entsprechend versetzt. Je nach Spielerzahl und Spielreihenfolge werden Rohstoffe und Geld verteilt. Die Spielfiguren Vogt und Seneschall werden auf das letzte rosa Gebäude platziert.


Spielablauf:

Es handelt sich um ein Rundenspiel. In der jeder Runde werden genau 7 Phasen durchlaufen:

1. Phase – Auszahlung von Einkommen
2. Phase – Einsetzen der Arbeiter
3. Phase – Aktivierung der Spezialgebäude
4. Phase – Versetzen des Vogtes
5. Phase - Aktivierung der übrigen Gebäude
6. Phase - Schlossbau
7. Phase - Ende der Spielrunde, Weiterziehen des Seneschalls.


Abrechnungen und Spielende:

Der Schlossbau ist in die 3 Abschnitte, nämlich Bergfried, Mauerwerk und Türme, unterteilt. Falls ein Spieler zum Zeitpunkt der Wertung in einem Abschnitt kein Element gebaut haben sollte, so bekommt man Prestigepunkte abgezogen. Sollte man jedoch Elemente gebaut haben, erhält man je nach Anzahl der Elemente eine Gunst oder sogar mehrere Günste des Königs als Belohnung.

Das Spielende tritt ein, sobald die Türme, also der 3. Schlossabschnitt abgerechnet wurden. Dies kann geschehen, weil der Senneschall das Feld mit der 3. Abrechnung erreicht hat oder aber der 3. und letzte Abschnitt am Schloss fertig gestellt wurde. Nun werden für Gold, Rohstoffe und Denar noch entsprechend Punkte verteilt und derjenige mit den meisten Prestigepunkten hat gewonnen.


Fazit:

Caylus ist ein typisches Rundenspiel, das pro Runde aus 7 Phasen besteht. Als Baumeister versuchen die Spieler mit Hilfe ihrer Arbeiter, Gebäude durch Rohstoffe zu errichten, damit das Örtchen Caylus sich zu einer Stadt entwickelt. Die Gebäude werden entlang der Strasse zum Schloss gebaut. Die Arbeiter verlangen vom Spieler ihren Lohn. Doch auch das Schloss muss fertig gestellt werden. Daher müssen die Spieler mittels ihrer Arbeiter nicht nur Gebäude entlang der Straße bauen, sondern auch am Bau der Schlossabschnitte beteiligt sein. Wer am Schloss baut, kann zudem die Gunst des Königs und wichtige Siegpunkte erhalten. Als Baumeister kann man verschiedene Günste wählen: Rohstoffe, Denare, Prestigepunkte und Vergünstigungen beim Gebäudebau. Je mehr Prestigepunkte ein Spieler hat, umso höher ist sein Ansehen beim König.

Geldmangel oder Rohstoffmangel herrscht irgendwie am Anfang immer und oft genug fragt man sich, welches Gebäude denn nun am sinnvollsten gebaut werden sollte. Durch die große Auswahl an Gebäuden und dadurch, dass nicht immer alle eingesetzt werden, können die Spiele sehr unterschiedlich ablaufen.

Worauf ist zu achten? Die Spieler sollten immer die Reihenfolge der 7 Phasen beachten und möglichst vorausschauend planen, da sie sonst mangels Rohstoffen oder Geld ihre entsprechenden Gebäude nicht aktivieren könnten. Außerdem sollte man so oft es geht versuchen, die Gunst des Königs zu erlangen, da dies einen klaren Vorteil verschafft und man eventuell Gebäude errichten kann, die andere noch nicht bauen können. Man sollte seine Mitspieler immer beobachten, um deren Pläne gegebenenfalls zu durchkreuzen.

Die Regeln sind sehr komplex, jedoch gut erklärt und die Gebäude einzeln aufgeführt. Die Grafik ist sehr ansprechend und versetzt einen in die Zeit Philipp des Schönen. Was zuerst durch die 7 Phasen recht kompliziert erscheint, ist aber in Wirklichkeit recht flüssig gespielt. Ich habe das Spiel bereits zu viert und zu zweit gespielt. Allerdings kommt man sich im Spiel zu zweit nicht sonderlich in die Quere. Wenn man zu mehreren spielt, wird der Vogt, der für das Aktivieren der Gebäude eine Rolle spielt, doch schon mal öfters versetzt. Außerdem ist es schwieriger etwas zu erreichen, da man nicht mehr soviel Auswahl wie im Spiel zu zweit hat und aus Platzmangel nicht so viel Gebäude aktivieren bzw. nutzen kann.

Bei diesem Spiel handelt es sich um ein reines Taktikspiel ohne Glückskomponente und wie bei jedem Spiel dauert die erste Partie länger. Auf der Schachtel steht 60 bis 150 Minuten. Ich würde jedoch sagen, dass eine Vierer-Runde durchaus länger als 2 Stunden dauern kann. In 60 Minuten war das Spiel bisher höchstens nur zur Hälfte gespielt.

Für Vielspieler ist dieses Spiel ein Muss. Der Spieleinstieg ist jedoch nicht so einfach, da Caylus ein wirklich sehr komplexes Spiel ist und man die Spieltiefe erst nach mehreren Runden versteht. Durch die vielen Schauplätze, Möglichkeiten und 7 Phasen ist es schwer, eine Gewinnstrategie zu entwickeln. Aufgrund der Tatsache, dass nie alle Gebäude in einem Spiel eingesetzt werden, ist das Spiel immer wieder anders und wird nie langweilig.

Der Wiederspielreiz ist meiner Meinung sehr hoch. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, das dieses Spiel wie folgt ausgezeichnet wurde: Spiel des Jahres: Sonderpreis 'Komplexes Spiel' (2006) sowie Deutscher Spielepreis, Platz: 1 (2006). Ich spreche eine klare Empfehlung für dieses spannende und anspruchsvolle Spiel aus!


Unsere Spielspaß-Wertung: sehr gutes Spiel !


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