... und die Hängenden Gärten von Babylon

Amyitis

Foto: www.ystari.com

  • Autor: Cyril Demaegd
  • Grafik: Arnaud Demaegd
  • Verlag: Ystari / Huch & Friends
  • Erschienen: Essen 2007
  • Anzahl Spieler: 2 - 4
  • Altersgruppe: ab 12 Jahre
  • Spieldauer: 60 - 120 Minuten
  • Spielregel: http://www.ystari.com/amyitis/AmG.pdf
 

Spielidee:

"Im Jahr 590 v. Chr. heiratete Nebukadnezar, König von Babylon, die wunderschöne Amyitis, Tochter des medischen Königs. Doch die hübsche Frau sehnte sich nach ihrem Heimatland mit seiner üppigen Vegetation. Da fasste der König den Beschluss, ihr zu Ehren wundervolle hängende Gärten errichten zu lassen. Die ganze Stadt bereitete sich darauf vor, diese Herausforderung anzunehmen. Noch Jahrhunderte später sollten die Gärten für große Bewunderung
sorgen… Die Spieler, in der Rolle adliger Babylonier, streben nach Prestige. Sie errichten ein Bewässerungssystem und bauen die Gärten aus, indem sie erfolgreich handeln und die besten Handwerker Mesopotamiens für sich gewinnen. So versuchen sie im Laufe der Partie ihr gesellschaftliches Ansehen auszubauen."

Amyitis - Spielszene

Foto: www.boardgamegeek.com

Spielmaterial:

1 Spielplan Babylon und 1 Spielplan Mesopotamien; ca. 135 Holzwürfel in 5 Farben; 4 Markierungssteine in 4 Farben; 20 Gartenplättchen; 35 Warenplättchen mit 5 verschiedenen Waren (Gerste, Datteln, Salz, Palmen, Wein); 14 Kamelplättchen; 1 Karawanenplättchen; 30 Münzen (Talente); 56 Karten (18 x Gewerbe, 4 x Pflanzen, 31 x Hof, 2 x Amyitis, 1 x Startspieler); 1 Spielregel

Spielbeschreibung:

Amyitis - Tempel von Marduk

Foto: www.boardgamegeek.com

Die Spieler müssen die Gunst der Königin Amyitis gewinnen. Dazu sollen sie die Hängenden Gärten errichten, sprich bewässern und bepflanzen. Um die Pflanzen zu erhalten, müssen Sie mit benachbarten Städten in Mesopotamien Handel treiben.

Das Spiel verläuft über mehrere Runden, jede Runde besteht aus drei Phasen, wobei die eigentlichen Aktionen der Spieler in Phase 2 erfolgen.

In Phase 1 werden die Gewerbekarten (Bauer, Priester, Ingenieur, Händler) in Dreiergruppen ausgelegt und zwar genau so viele Gruppen, wie Spieler mit von der Partie sind. Außerdem erhält jeder Spieler sein Einkommen, das durch die bereits erworbenen Bankier-Karten bestimmt wird.

In der 2. Phase kann jeder Spieler reihum eine von zwei möglichen Aktionen ausführen, bis alle gepasst haben. Wer bereits gepasst hat, erhält, solange wie noch andere Spieler ihre Aktionen durchführen, jedes Mal, wenn er wieder an die Reihe kommt, ein Talent (Geld).

Als erste mögliche Aktion kann der aktive Spiele eine der ausliegenden Gewerbe-Karten erwerben (rekrutieren). Der Preis dafür beträgt 0-2 Talente, je nachdem wie viele Karten einer Dreiergruppe bereits rekrutiert wurden. Der Bauer ermöglicht dem Spieler einen verfügbaren Acker auf dem Babylon-Spielplan zu bestellen und eine Ware zu ernten. Dabei muss er jedoch immer eine der beiden möglichen Sorten wählen, die ihm der Spielplan vorgibt. Die Waren werden später hauptsächlich benötigt, um damit Handel zu treiben. Wein gilt als Joker. Sobald eine der beiden Ackerreihen komplett belegt ist, erhält derjenige Spieler, der dort am meisten geerntet hat, zur Belohnung eine Gärtnerkarte.

Das zweite Gewerbe stellen die Priester dar. Mit Hilfe eines Priesters kann man seinen Einfluss bei einem der drei Tempel in Babylon vergrößern. Am Ende jeder Runde schüttet jeder Tempel eine bestimmte Belohnung an denjenigen aus, der dort über die Mehrheit verfügt.

 

Amyitis - Ingenieur-Karte

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Der Ingenieur erlaubt es, jeweils eine Zone der Gärten zu bewässern. Dabei legt der Spieler einen seiner farbigen Würfel auf den Spielplan, und zwar so, dass immer eine direkte Verbingung zum Fluss besteht, von dem das Wasser zur Bewässerung kommt. Die Gärten sind quadratisch und bestehen aus insgesamt 16 Feldern, die in drei Kategorien -je nach Entfernung zum Fluss- eingeteilt sind.

Schließlich erlaubt der Händler, sich ein Kamel aus dem allgemeinen Vorrat zu nehmen, mit dem man später auf Handelsreise gehen kann.

Neben dem Rekrutieren besteht die zweite Aktionsmöglichkeit also darin, die Karawane auf dem Mesopotamien-Spielplan zu bewegen und Handel zu treiben. Dazu gibt der aktive so viele Kamele ab wie er möchte und bewegt die Karawane um entsprechend viele Felder im Uhrzeigersinn weiter. Ein bereits erworbener Karawanenführer ermöglicht es sogar, die Karawane darüber hinaus um zusätzliche Felder bewegen zu dürfen.

Auf dem Mesopotamien-Spielplan muss der Spieler dann auf dem Feld, auf dem die Karawane nach der Bewegung landet, Handel treiben. Hier gibt es drei verschiedene Arten von Feldern (Städten). Es gibt vier Felder, auf denen man Pflanzen für die Gärten erwerben kann, weitere vier Felder, in den man Hof-Karten (Bankier, Karawanenführer, Palast-Ausbau) handeln kann und ein Feld, das die Stadt Babylon zeigt, auf dem man Waren gegen Siegpunkte eintauschen kann.

Der Kauf von Hof-Karten kostet jeweils eine Ware, die auf dem Spielplan abgebildet ist. Neben den bereits beschriebenen Karawanenführern, die ein schnelleres Bewegen der Karawane erlaubt, bringen die Palast-Karten sofort Siegpunkte, und zwar umso mehr, je mehr man bereits erworben hat. Der Bankier ermöglicht dem Spieler ein regelmäßiges Einkommen zu Beginn jeder Runde, und zwar zunächst 1 Talent, später 2 Talente.

Falls der Spieler sich entscheidet, eine Pflanze zu erwerben, muss diese auch sofort in den Hängenden Gärten angepflanzt werden. Jedoch müssen dafür einige Bedingungen erfüllt sein. Zum einen muss die Qualität der Pflanze der Ebene in den Gärten entsprechen. Eine Pflanze der Qualitätsstufe 1 darf nur auf der untersten Ebene angepflanzt werden. Pflanzen der Stufe 3 auf allen Ebenen (1-3). Die Qualität der Pflanze, die man durch den Handel erwirbt ist, ist vorgeben, aber immer max. 2. Durch das Abgeben einer Gärtnerkarte kann man die Qualität der Pflanze um jeweils eins erhöhen. Zusätzlich zur Qualität der Pflanze, die passen muss, muss aber auch das Feld, auf dem sie angepflanzt werden soll, bereits an mindestens einer Seite vollständig bewässert sein. Wenn der Spieler ein passendes Feld gefunden hat, erhält er zur Belohnung das dortige Garten-Plättchen und den darauf verzeichneten Bonus (meistens Siegpunkte). Der Spieler, der an diesem Plättchen am meisten zur Bewässerung beigetragen hat, erhält ebenfalls 1 oder 2 Siegpunkte, je nach Pflanze.

Nachdem alle Spieler ihre Aktionen ausgeführt und schließlich gepasst haben, wird am Ende jeder Runde noch eine sog. Prozession an den drei Tempeln von Babylon durchgeführt. Dazu legt der Spieler rechts vom Startspieler einen seiner farbigen Würfel in einen Tempel seiner Wahl. In die beiden anderen Tempel legt er einen grauen, neutralen Würfel. Überschüssige Würfel werden entfernt.

Nun wird jeder Tempel ausgewertet und für jeden ermittelt, wer dort mit seinen farbigen Würfeln über die Mehrheit verfügt. Im Tempel von Ishtar erhält der Erste ein Kamel oder ein Talent. Der Zweite entsprechend das verbleibende. Im Marduk-Tempel erhält der Erste zwei, der Zweite einen Siegpunkt. Im dritten Tempel (Tammouz) darf der Erste kostenlos als Bauer einen Acker bestellen und eine Ware ernten. Der Zweite darf kostenlos eine seiner Waren gegen eine vom allgemeinen Vorrat (kein Wein) eintauschen. Schließlich wird ein neuer Startspieler ermittelt (im Uhrzeigensinn) und eine neue Runde beginnt.

Spielende:
Sobald nur noch 4 oder weniger Gartenplättchen in den Hängenden Gärten zum Anpflanzen übrig sind (bei 2 Spielern 3 oder weniger) wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Danach endet das Spiel. Königin Amyitis verteilt dann ihre Gunst an jeden Spieler entsprechend der gesammelten Gartenplättchen. Je nach Spielerzahl und Anzahl der Plättchen kann man hier noch 5 oder 10 Punkte erhalten. Für jede Ware, die der Spieler noch besitzt, gibt es ebenfalls noch je einen Siegpunkt. Wer danach über die meisten Siegpunkte verfügt, hat gewonnen.

 

Fazit:

Amyitis - Kurzspielanleitung

Foto: www.ystari.com

Amyitis ist strategisches Spiel, bei dem man auf verschiedene Arten versucht, möglichst viele Siegpunkte zu erlangen. Es erinnert auf den ersten Blick ein wenig an Caylus und wirkt zunächst ebenso komplex, spielt sich aber letztlich doch recht einfach. Wer die 8 Seiten starke Spielanleitung aufschlägt, sollte sich davon nicht täuschen lassen. Zum besseren Verständnis trägt insbesondere die Kurzanleitung bei, die das Wichtigste durch grafische Symbole erläutert. Sie war unserer Spielrunde sehr hilfreich und hat den Einstieg enorm erleichtert.

Auf der Rückseite der Kurzanleitung sind bereits einige Spieltipps aufgeführt, die die strategischen Möglichkeiten, die Amyitis bietet, sehr gut verdeutlicht. Jedem Spieler bieten sich grundsätzlich mehrere Möglichkeiten in seinem Zug: Welche Gewerbekarte soll genommen werden? Welche Hofkarten sind die besseren? Soll ich lieber noch Handel treiben oder doch schon in den Gärten bewässern und anpflanzen? Brauche ich eher mehr Geld oder Kamele und Waren?

Meiner Meinung nach gibt es bei Amyitis verschiedene, gleich gute Gewinnstrategien. Das Spiel ist darüber hinaus sehr gut ausbalanciert. Allerdings spielte sich jede Runde nahezu identisch. Es kamen - anders als bei Caylus - kaum neue Spielmechanismen hinzu. Bei der gleichzeitig langen Spieldauer von bis zu zwei Stunden, wirkt dies mit der Zeit ziemlich eintönig und langweilig. Meist waren wir froh, wenn das Spiel endlich zu Ende war.

Alles in allem ist Amyitis ein sehr gut ausbalanciertes Strategiespiel mit vielen möglichen Gewinnstrategien. Es bietet aber letztlich nicht so viel Spielspaß und Abwechslung wie das im gleichen Verlag erschiene Caylus.

 

Unsere Spielspaß-Wertung:

nettes, überdurchschnittliches Spiel

Wir danken dem Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

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